Vegan – mein Fazit

ja, ich weiß, ich bin mit meinem Fazit eigentlich schon überfällig.. Aber manche Gedanken müssen eben auch mal etwas länger reifen, und dieser hier, der brauchte wirklich mal ein paar Momente mehr. Außerdem war ich krank. Naja, irgendwas is ja immer…

Wie ihr ja in den vorherigen Beiträgen lesen konntet, haben wir jetzt mal einige Tage vegan gelebt. Wobei sich die Artikel hauptsächlich auf unsere Ernährung bezogen. Doch Vegan ist nicht nur ein „Ernährungstrend“ sondern eher eine Lebenseinstellung.

Die eigentliche Ernährung um zu stellen war für mich gar keine so große Sache. Als Vegetarier weiß man schon so ziemlich, worauf man achten sollte, und daher war es nur eine minimale Veränderung.

Letzte Woche habe ich dann auch mal meine Kosmetik „umgedreht“ und festgestellt, dass ich, dadurch, dass ich viel Naturkosmetik verwende, eh schon fast ausschließlich vegane Kosmetik verwende. Das Thema hatte ich nämlich schon vor einiger Zeit, als mir ein Artikel unter kam, in dem die tierischen Bestandteile von Kosmetiker aufgelistet waren. Leute, wer möchte den bitte gekochte Larven oder ausgepresste Läuse im Gesicht oder am Körper haben?

Außerdem konnte mir bis heute keiner sinnvoll darlegen, warum meine Kosmetik an Tieren getestet werden muss. Wenn es zu gefährlich ist um es an Menschen zu testen gehört es nicht in den Schminkschrank, ganz einfach.. Dabei bleibe ich auch.

So viel zur Kosmetik, aber was ist mit der Ernährung?

Wie schon erwähnt war die Umstellung für mich gar nicht sooo schwierig. Meine Knackpunkte waren hauptsächlich: Milchreis, den ich jeden Tag zum Frühstück esse, Honig, den ich im Tee verwende, Schokolade, die Milch im Kaffee und mein sonntägliches Frühstücksei.

Außerdem fiel mir auf, in wie vielen Dingen tierische Produkte zusätzlich verwendet werden. Zum Beispiel Bienenwachs bei den vegetarischen Gummibärchen, Milch im vegetarischen Schnitzel oder Ei in vielen Nudel- und Brotsorten… Das morgendliche Müsli meines Mannes wurde überraschenderweise zum Problem: Wir dachten, Sojamilch und das Problem ist gelöst, aber auf jedem Müsli stand drauf, das es Spuren von Milch enthalten kann. Uns blieben am Ende nur die Haferflocken..

Zwischenzeitlich wissen wir auch, dass „kann Spuren von Milch enthalten“ einfach nur heißt, dass beispielsweise auf der gleichen Maschine, auf der dieses Müsli verarbeitet wird auch Müsli mit Milchbestandteilen verarbeitet wird, und daher eine „Kontamination“ nicht ausgeschlossen, aber auch extrem unwahrscheinlich ist. Es gibt also wieder Müsli, auch mit Kann-Aufdruck.

Das Honigproblem löste sich wie folgt: erst versuchte ich es mit Stevia, Zucker und Süßstoff. Leider überzeugte das alles nicht wirklich.. Dann bekam ich den Tipp: Agavendicksaft! Das, meine Lieben, ist total lecker, und passt hervorragend zum Tee..

Aber warum soll man den eigentlich auf Honig verzichten, den stellen die Bienen doch eh im Überfluss her? Naja, das tun sie aber weniger für die Menschen als eher für sich selber, denn sie brauchen ihn als Futter, und für ihr Imunsystem. Das Zuckerwasser, das ihnen alternativ angeboten wird kann gar nicht die gleiche Wirkung haben. Leuchtet irgendwie ein, oder?

Generell gilt bei den Bienen das gleiche wie bei allen „Nutztieren“, sie werden ziemlich von den Menschen ausgebeutet. So werden den Königinnen die Flügen gestutzt, damit sie nicht auf die Idee kommen zu schwärmen, denn wenn die Königin nicht weggeht, bleiben die Arbeiter auch ganz brav. Und wie immer, wenn es um die Tierhaltung geht wird auch die Lebenszeit geringer, denn schon nach gut einem Jahr wird eine Bienenkönigin gerne gegen eine jüngere ausgetauscht, die mehr Profit bringt. Dass die alte noch gut 5 Jahre hätte leben können, na was solls..

Wobei ich denke, dass es hier durchaus riesige Unterschiede gibt zwischen der Massenbienenhaltung und dem kleinen Imker um die Ecke. Gerade jetzt, wo es auf Weihnachten zugeht überlege ich halt schon, ob ich mal ein Glas Honig von Hobby-Imker um die Ecke besorge, gerade zum Backen..

Was für eine Überleitung! War benötigt man häufig beim Backen? Eier natürlich! Aber für Eier leiden doch keine Tiere, die Hühner legen sie doch eh? Naja, nich so ganz.. Das Huhn, das wir heute kennen ist eine Züchtung, die darauf ausgelegt wurde möglichst viele unbefruchtete Eier zu legen. Ursprünglich legte ein „Urhuhn“ ca 12 Eier pro Jahr, heute sind es etwa 200 – 300. Das ist schon ne Hausnummer. Außerdem legen ja nur die Damen die Eier. Und die Herren?

Naja, was mit männlichen Küken passiert ist, glaube ich, bekannt: Vergasen oder Häckseln steht ihnen bevor.. Ich kann mir kaum etwas schrecklicheres vorstellen.. Ihr?

Und auch generrell: Wenn man sich die Lebensbedingungen der Legehennen mal anschaut ist es trotz aller Vorgaben nicht wirklich ein Wonneleben. Selbst bei „Bio-Eiern“ haben 6 Hühner nur ca 1 Quadratmeter Stallplatz und ein Recht auf 18 cm. Stange. Außerdem stehen ihnen 4 Quadratmeter Freilauffläche zu. Bei Freilandhaltung sind es schon 9 Hühner pro Quadratmeter Stall und 4 Quadratmeter Außenfläche, und bei Bodenhaltung fällt dann auch noch die Außenfläche weg. Und dann auch noch das Schnabelstutzen, damit sich die eng gedrängten Hühner nicht vor lauter langer weile gegenseitig die Augen aushacken können.. Was für ein trostloses Leben.

Noch eine Info, die mich geschockt hatte: Ein Huhn kann bis zu 15-20 Jahre alt werden. In der Eierlegemaschenerie dürfen sie so 1 – 2 Jahre alt werden..

Eine Bekannte von mir hat einige ehemalige „Legebatteriehühner“ gekauft und lässt ihnen zusammen mit einem Hahn nun ein würdiges Leben im Garten. Die Tiere können laufen und scharren, und finden es Augenscheinlich geil. Klar, es sind immer noch „Hochleistungseierleger“, das heißt, es wird immer noch alle 2 Tage ein Ei gelegt, aber wenn schon Huhn, dann doch bitte so!

Eine Andere, die ebenfalls Hühner im Garten hat erzählt gerne von ihrer Betty. Betty von Braun ist eins von 10 Hühnern auf dem Hof und die Erzählungen zeigen mir immer, was für intelligente Tiere das doch sind: Betty hat zum Beispiel den alten Hahn regelmäßig ausgetrickst und ist über die Felder spazieren gegangen. Außerdem zeigt sie auch deutlich, dass sie auch mal auf den Arm will oder das sie ja noch gar nicht müde ist, und deswegen noch gar nicht in den Stall muss, in dem die anderen Tiere sind. Die „Betty-Storys“ sorgen regelmäßig für Gelächter. Man bedenke: Normalerweise würde Betty gar nicht mehr leben.

Trotzdem legen Betty und ihre Kolleginnen scheinbar dank übertriebener Züchtung und trotz potenten Hahn keine befruchteten Eier mehr.

Kommen wir zur Milch: Kühe geben halt Milch, das weiß bereits jedes Kindergartenkind. Und Milch ist gut, gibt Calcium und sorgt dafür, das man groß und stark wird. Das bestätigte mir der 3Jägige Sohn einer Freundin. Alles klar.

Aber hey: Die Milch ist nicht für den Menschen gedacht, sondern für Kälber. Und da fängt das ganze dann an kritisch zu werden. Ab dem 2 Lebensjahre werden Milchkühe regelmäßig „geschwängert“ um die Qualität der Milch zu erhalten. So lustig es auch ausschaut, wenn der Bulle seinen „Samen“ in eine Plastikkuh pumpt, so skurril ist es. Den die Milchkühe sind zwar regelmäßig schwanger, sehen aber eigentlich nie den passenden Bullen, sondern immer nur die Plastikspritze. Wer schwanger ist bekommt natürlich auch irgendwann Nachwuchs, das ist bei Kühen nicht anders als bei jedem anderen Säugetier. Und dann? Nach einigen Tagen schon wird das Kalb von der Mutter getrennt. Die männlichen Kühe dürfen auf gut 6 Monate Leben hoffen, dann werden sie geschlachtet. Manche Kälber haben auch das „Glück“ 1 Jahr alt werden zu dürfen bevor es auf die Schlachtbank geht. Und weibliche Kühe folgen ihren Müttern und „dürfen“ in die Milchproduktion. Die Entscheidung, welches Kalb hier am ehesten von „Glück“ reden darf überlasse ich euch..

Des weiteren kommt auch hier wieder die Überzüchtung: Die Kühe sind auf extreme Milchproduktion gezüchtet, haben daher Probleme mit dem Rücken, entzündete Euter und Probleme mit den Beinen und Klauen.

So weit erstmal. Wo ich die ganzen Infos her habe? Aus Gesprächen mit Veganern, Kuh- und Hühnerrettern.

So wie diese überlege auch ich langsam: Was ist bitte der riesige Unterschied zwischen meinem Haustier und einem Nutztier, der dem Menschen das Recht gibt so schändlich mit zweiteren um zu gehen? Ich hörte in den letzten zwei Wochen so viele Geschichten der Tierquelerei, die allein dafür gut ist, und möglichst billig möglichst viele tierische Produkte auf den Tisch zu bringen. Zu was für einen Preis?

Für mich gibt es irgendwie keinen großen Unterschied zwischen einem Kalb, einem Welpen und einem Küken. Alle knuffig, alles Lebewesen, alle mit einer Seele versehen. Nur, was tun wir diesen Wesen an..

Besonders verrückt kam mir folgende Situation vor: Man sprach am Tisch über „Rinderbraten“, wie man es anrichtet, möglichst blutig, je jünger desto besser ec. Da warf jemand ein, dass der örtliche Schlachter wieder „Pferdewurst“ und „Pferdefleisch“ hat. Entsetzen. Stille. Die Aussage „Sowas würde ich nicht essen“. Wie jetzt, Moment. Kalb ist super, Fohlen nicht? Erschien nur mir das zwiespältig? Warum? Wo ist der Unterschied? Ok, Pferde kann man reiten, aber Kühe genaugenommen auch, oder?

Klar, ich würde auch nicht meinen oder den Nachbarskater essen. Aber bei mir wird dieses Argument wohl kaum zählen 😉

Vielleicht kann mir das ein „Fleischesser“ ja erklären..

Aber ok, was ist nun mein „Fazit“ der veganen Woche:

Wer behauptet, dass vegan leben schwierig oder sogar unmöglich ist, der lügt.

Wer behauptet, dass vegan leben teuer ist, übertreibt maßlos.

Gerade in unserem Überfluss ist ein veganes Leben annähernd problemlos möglich, und das ganze muss auch nicht den Geldbeutel belasten. Nehme man alleine mal das Beispiel Nudeln: Die sind ohne Käfigei nicht teurer als mit.

Dass Gemüse teilweise teurer ist als Fleisch, ja, das schockiert mich auch immer wieder. Aber auch da gibt es die Möglichkeit saisonal zu kaufen. Es müssen nicht im Winter Erdbeeren sein…

In der Kosmetik machen Tierversuche in meinen Augen keinen Sinn, wenn sie benötigt werden, dann gehört ein solches Produkt gar nicht auf den Markt. Vegane Kosmetika, sogar vegane Schminke gibt es zwischenzeitlich genau so günstig wie konventionelle, gerade die „Hausmarken“ sind da eine gute Alternative.

Und medizinisch, Stichwort „Mangelernärung“? JEDE Form der undurchdachten Ernährung führt zu einem Mangel. Ob man nun jeden Tag nur Nudeln mit Soße und Pommes, oder nur Fleisch, Milch und Eier isst. Die Mischung machts. Aber in Fleisch, Milch und Eiern ist absolut nichts enthalten, das ich nicht ersetzen kann. Außer vielleicht Cholesterin.

Wobei, das ist nicht ganz richtig: Mit B12 habe ich leichte Probeme. Da nehme ich derzeit Zusatzpräperate, aber das habe ich als Vegetarierin auch schon..

Ich werde vorerst weitestgehend bei der Veganen Lebensweise bleiben. Wobei ich hier und da vielleicht auch mal etwas schummeln werde. Vielleicht schenkt mir Betty ja mal ein Ei 🙂

Ich danke allen, die mir für diesen Artikel mit Rat und Tat zur Seite standen!

Oh, und natürlich kommt hier auch wieder ein Karlchenbild:

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2 Gedanken zu “Vegan – mein Fazit

  1. Pingback: Noch ein “Liebster Award” | Kitty's Welt

  2. Ich denke, Du kannst ruhigen Gewissens Produkte mit Spuren von Ei oder Milch essen. Das ist ein Hinweis für Allergiker der manchmal einfach zur Absicherung auf die Packung geschrieben wird.
    Wenn Du auf die Spurenangaben achtest, wird Deine Lebensmittelauswahl extremst eingeschränkt und Du kannst nur noch bei Veganz einkaufen 😉

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