Karlchen und das Baby.

Seit 4 Wochen sind wir nun schon zu viert, und immer wieder wird mir eine Frage gestellt: Wie hat es denn geklappt mit dem Baby und unserem Plüschbaby?

Glaubt mir, das war eine Frage die mir in der Schwangerschaft echt Sorge bereitet hat. Wie wird Karlchen auf das Baby reagieren? Wobei, zuerst hatte ich mir keine Sorgen gemacht, bis eine Bekannte meinte „Ihr müsst den Kater weggeben, wenn das Baby  da ist. Mussten wir auch“.

Unseren Plüschterroristen weggeben? Niemals hätte ich da drüber nachgedacht! Wie traurig ist das bitte? Die gesamte Schwangerschaft über war Karlchen mein persönlicher Seelentröster, so lange war er unser Babyersatz und der Dank ist dann, wir schieben ihn ab? Niemals! Da musste es eine andere Lösung geben.

Ich begann also zu Googlen, wie wir das zusammenleben mit Karlchen und Baby möglichst harmonisch gestalten könnten. Dabei stieß ich auf eine Katzentrainerin. Ja, sowas gibt es nicht nur für Hunde! Zwar kann man Katzen nicht erziehen (Sie erziehen uns), aber man kann „Verträge“ mit ihnen schließen. Klang einleuchtend.

Mit dieser Trainerin telefonierte ich lange. Sie erzählte mit von den ganzen herzensguten Katzen die im Katzenhaus abgegeben werden, weil viele so denken wie meine Bekannte: Baby da, Katze raus. Das ist aber extrem selten überhaupt notwendig! Nur wenige Katzen, nämlich welche mit schlechten Erfahrungen, würden einem Baby was tun. Eher kuschelt eine Katze ein Baby zu sehr als das sie es kratzen würde. Vorausgesetzt die Katze hat eine gesunde Psyche. Und wenn eine Katze wirklich eifersüchtig wird sollte der Mensch mal überlegen, was er falsch gemacht hat..

Naja, auf jeden Fall legten wir uns einen Schlachtplan zurecht. Eine Windel bereits vor Heimkehr mit Baby zuhause zu deponieren ist wohl bei Katzen nicht so erfolgversprechend wie bei Hunden. Wir wollten lieber vorher üben, dass Dinge, die wir im Korb mit heim bringen nix weltbewegendes sind. Also haben wir immer, wenn wir zum Beispiel vom Einkaufen heim kamen, erstmal den Korb im Flur abgestellt, damit Karlchen gucken konnte, was wir denn da anschleppen. Er hat dann geguckt und gut wars.

Dann kam der große Tag. Alles passte, Baby Niklas schlief und wir machten es wie geplant: Reinkommen und den MaxiCosi auf dem Boden abstellen, wie wir es auch immer mit dem Einkäufen taten. Der Mann blieb in „Fangbereitschaft“ daneben stehen, während Karlchen wie geplant das mitgebrachte inspizierte. Nun hieß es Ruhe bewahren und gaaanz viel Vertrauen in den Kater. Ihr könnt mir glauben, auch wenn ich meinem Karlchen voll vertraue, da habe ich die Luft angehalten..

Karlchen guckte, war doch etwas angespannt und…. ging. Passte so weit.

Das wars? Joa, erstmal war es das tatsächlich. Karlchen kam dann immer mal wieder gucken, was wir da den haben, wenn wir mit dem Baby zum Beispiel auf dem Sofa lagen. Aber er hat nie mehr gemacht als zu schnuppern. Und wenn der Kleine nachts schreit versteckt sich Karlchen nicht etwa. Nein, er bleibt in der Nähe liegen und legt, wenn’s hoch kommt, mal die Pfoten auf die Ohren.

Zu Anfang war er allerdings von mit beleidigt. Wenn ich ihn streicheln wollte ging er direkt, und er kam auch nicht mehr kuscheln. Auch aktuell ist er leider noch etwas reserviert mir gegenüber, während er meinem Mann scheinbar bereits verziehen hat. Aber ich denke, irgendwann wird Karlchen auch wieder mit mir kuscheln. Vermutlich stört ihn, das ich nach Milch und Babykotze rieche?

Wichtig ist jetzt nur:  Karlchen darf nicht vernachlässigt werden, oder in seinen Rechten eingeschränkt. Er wird weiter gekuschelt (wenn er will), wir spielen weiter regelmäßig mit ihm und natürlich wird der Napf weiter regelmäßig gefüllt.

Was mir noch am Herzen liegt: Wenn man sich ein Tier ins Haus holt gibt man ihm ein Versprechen: Du bist jetzt ein Familienmitglied und wirst bei uns bleiben, bis du stirbst. Dieses Versprechen ist heilig,  und darf wirklich nur im alleräußersten Notfall gebrochen werden! Bei einer psychisch gesunden Katze ist der Zuzug eines Baby kein solcher Notfall! Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen ihren pelzigen Familienmitgliedern die Chance geben zu zeigen, dass sie auch Familienzuwachs akzeptieren und lieben können.

Gut fand ich in dem Zusammenhang die Antwort einer ebenfalls schwangeren Bekannten mit Katze. Die meinte nämlich „Wenn ich ein zweites Kind bekomme gebe ich das Erstgebohrene ja auch nicht ins Heim, weil es aufs Baby eifersüchtig sein könnte.“

Ich finde, das ist ein schönes Schlusswort, oder?

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5 Gedanken zu “Karlchen und das Baby.

  1. Über sowas hatte ich mir ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht. Bei uns wars dann aber ähnlich, zuerst kurz beschnuppern, dann Desinteresse. Nach paar Tagen fing es langsam an, dass sich die Katze am Sofa in die Nähe des Babys legte, sobald es weinte suchte die Katze das Weite. Aber auch das legte sich schnell. Mittlerweile – 5 Monate später – kommt die Katze schon her wenn ich das Baby halte, schmust und lässt sich sogar angreifen! Eifersucht gab es nicht wirklich!
    Greets Cao

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  2. So süß! Gut habt ihr das jedenfalls gemacht! Das Weggeben kann ich auch nicht verstehen. Aber für mich (wie wohl auch für dich) ist ein Tier ein Familienmitglied, das man nicht bei Bedarf einfach abschiebt (mir bricht ja schon ein solcher Gedanke das Herz).
    Ich drücke jedenfalls die Daumen, dass weiter so unkompliziert läuft und Karlchen dich irgendwann wieder an sich ran lässt. 🙂

    Gefällt 1 Person

  3. Huch, darüber habe ich mir bei unserer Mieze nie Gedanken gemacht! Wir hatten manchmal Differenzen, weil sie ausgerechnet den Kinderwagen zum Lieblingsliegeplatz erkoren hatte, aber sonst kaum eine Reaktion auf das Baby. Hat es laut geweint, kam sie sogar ganz nervös gucken. Es wurde erst später interessant, als das Baby krabbeln konnte und der Katze hinterher ist. Wie viel lässt sie sich gefallen, wie schnell kratzt sie? Wobei beide Seiten bei schnell schmerzhaft die Grenzen abgesteckt haben und die Katze lieber in ein anderes Zimmer ging, wenn das Baby unterwegs war.

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  4. Liebe Mareike,
    gut, dass mir vorhin Dein zweiter Blog = „Kitty“ eingefallen ist. Nun habe ich ganz ausführlich den Text gelesen (wunderbar beschrieben!) und was ich ja wusste, Du bist so ein lieber Mensch, Karlchen weg geben? Nee, doch DU nicht!!!
    Euch zwei,drei vier alles Liebe, prächtiges Gedeihen für Niklas und „Freunde für immer“ bei ihm und Karlchen; ich denke, es wird mit jedem Tag spannender….
    Liebe Grüße INGRID

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