Wie wir zu Vollzeittrageeltern wurden..

Ich wollte euch mal erzählen, wie es dazu kam, dass wir unser Baby nur noch mit Tragetüchern und Tragehilfen  tragen, und keinen Kinderwagen verwenden.

Denn ursprünglich war das absolut nicht so geplant. Wie vermutlich fast alle Schwangeren machte ich mir enorm Gedanken,  in welchem superschicken, sündhaft teuren Kinderwagen ich den mein bald erwartetet Wunder durch die Gegend kutschieren möchte. Nicht einen Gedanken verschwendete ich darauf, dass diese Investition am Ende absolut sinnlos sein würde. Im Gegenteil, als mich jemand fragte, ob ich mir denn auch ein Tragetuch kaufen würde antwortete ich wortwörtlich: „Ich bin doch nicht bescheuert und binde mir mein Baby auf den Bauch!“ Tja.. Wie naiv.

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Das Baby kam, und nach einigen Tagen Krankenhaus ging es heim. Und da begann das Drama. Eigentlich wollte der Kleine nämlich am liebsten immer auf oder an uns sein. Bloß nicht ablegen lassen! Schon der Gedanke wurde mit schluchzen und schimpfen kommentiert.

„Ein Schreikind“ meinten einige. Oder „3 Monats Kolik“. „Ihr müsst halt viel mit ihm spazieren gehen! Am besten mit Kinderwagen über Kopfsteinpflaster.“ oder „Kinder weinen nunmal.“ Das waren so die Kommentare, die wir bekamen. Geholfen hat es nicht..

Anfangs ging hauptsächlich mein Mann mit dem Kinderwagen und dem Baby spazieren. Ich selbst war leider noch wegen meinen Geburtsverletzungen nicht ganz oben auf. Schon da merkte mein Mann an, dass der Kleine den Kinderwagen wohl doch nicht ganz so geil findet.

Kinderwagen 1

Irgendwann konnte ich dann auch endlich mit dem Kinderwagen los schieben! Und erlebte mein blaues Wunder: Der Kleine brüllte wie verrückt. Einzige Abhilfe: Wenn ich ihn aus dem Wagen raus nahm war wieder gut.. Allerdings brannte die Sonne auf uns runter, und ich traute mich nicht, den Kleinen in der prallen Sonne auf dem Arm zu behalten. Er wird aufhören, dachte ich. Wurde mir ja schließlich so gesagt. Nach 25 Minuten konnte ich nicht mehr. Es folgte ein Spießrutenlauf zurück nach Hause von Schatten zu Schatten. Baby raus, bis es sich beruhigte, Baby wieder rein, nächster Schatten, Baby wieder raus…  Und dazu eine gehörige Portion Verzweiflung: Was  machte ich bloß falsch?

Am nächsten Tag kam mein Mann mit hochrotem Kopf vom Babyspaziergang heim und meinte „Ne, der ist nur am brüllen, das geht nicht.“ Bei ihm also auch.. Ja, aber ein Baby gehört doch in den Kinderwagen!! Ob Eltern, Nachbarn, Bekannte, alle meinten: Immer wieder reinlegen! Das hört bald auf!

Nah einigen weiteren üblen Kinderwagenstorys (die ich mir hier mal spare) kam endlich die Erleuchtung in Form unserer Freunde Timo und seiner Frau Carina (die mir in der ersten Zeit noch viele Male halfen. Danke dafür!!). Die beiden hatten ihren Kleinen einige Monate vor uns bekommen und gaben uns ihre nicht gebrauchte Manduca Babytrage. Vielleicht nicht die beste, aber eine Trage, die uns auf den richtigen Weg brachte.

Sobald der Kleine in der Trage vor unserem Bauch war schlief er ein. Sofort. Und döste friedlich. Es war traumhaft. Wir gingen spazieren, fuhren ans Meer, ich konnte mir wieder was zum Essen machen.. Wahnsinn! Die Welt war wieder so viel größer!!

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Bis der Kleine plötzlich merkte, dass er die Manduca jetzt gar nicht soooo bequem findet und anfing auch in der Trage zu mosern.. Kriese! Was jetzt? Was war los?

Ich fand eine wundervolle Trageberaterin die mir erklärte, dass meine Trage nicht so die optimalste ist. Sie pimpte die Trage zwar, aber längere Zeit mochte der Kleine doch nicht drin bleiben.

Mit meiner guten Freundin Antje, die wiederum einige Wochen nach mir ihre Kleine bekommen hatte, gönnte ich mir letzten Endes dann doch mal eine Trageberatung. Sie trug bereits seit der Geburt ihre Kleine in einem Tuch und wollte wissen, ob sie es richtig macht. Ich wiederum wollte eine neue Trage BLOSS KEIN TUCH!!

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Die Trageberaterin erklärte mir auch, was mir dann auch ganz logisch erschien: Babys sind keine Schieblinge sondern Traglinge. Sie sind, stark verkürzt, darauf ausgelegt, die ersten Monate ihres Lebens getragen zu werden, weil sie sich da am sichersten fühlen.

Nach vielem rumprobieren fand ich die Fidella FlyTai für uns am besten. Oder besser: Der Kleine fand sie von den Tragen am besten. Also war klar, dass wir uns so eine zulegen würden. (Faszinierender Weise hatten sich Carina und Timo unabgesprochen auch für eine Flytai entschieden).

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Da noch etwas Zeit war, übte ich dann doch noch mit, ein Tragetuch zu binden. Und das klappte prima! Und vor allem liebte der Kleine es. Schon von ganz alleine nahm er die richtige Haltung ein und ließ mich geduldig fummeln. Und als ich fertig war seufzte er, und pennte..

„Er ist ganz klar ein Tuchbaby“ meinte die Trageberaterin.. Ja, aber bin ich eine Tuchmama?

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3 Tage später fragte ich eine andere Tragemama, ob sie wüsste, wo ich den wohl ein günstiges Tragetuch her bekommen würde, so rein theoretisch… Zufälligerweise hatte in der Nachbarschaft eine ein altes Lana-Tragetuch zu verkaufen. So ein Zufall.. 😉

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Das Tuch wechselte am Nachmittag den Besitzer. 20€ zahlte ich damals dafür. Nach 2 Stunden fummeln und basteln hatte ich mein Baby  zufriedenstellend im Tuch..

Anfangs trug mein Mann weiter in der Fidella, und ich im Tuch. Später kauften wir ihm noch ein weiteres, längeres Tuch. Dann gönnte ich mir ein etwas neueres.. Tja.. So wurden es mehr 😉

Zwischenzeitlich besitzen wir 6 Tücher in verschiedenen Längen, eine Fidella FlyTai, (allerdings nicht mehr die erste, sondern bereits eine Größe größer) und einen Ringsling.

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Wir lieben das Tragen, egal ob vorm Bauch oder auf dem Rücken. Der Kleine wiegt bis jetzt knappe neun Kilo, das ist noch sehr gut zu tragen, und noch ist das Ende unserer Tragezeit nicht in Sicht. Irgendwann wird natürlich einmal Schluss sein, das ist mir klar.

Aber heute würde ich sagen, dass das Tragen eine der besten Entscheidungen war. Denn seit ich trage habe ich ein glückliches und ausgeglichenes kleines Baby, das prächtig gedeiht.

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7 Gedanken zu “Wie wir zu Vollzeittrageeltern wurden..

  1. Liebe Mareike,
    Ach ich weiß gar nicht was ich sagen soll-du sprichst mir ja sowas von aus der Seele:-)! Mein kleiner Fynn hier wird auch nur getragen und es geht uns allen so gut damit! Ich wünsche euch weiterhin eine wunderbare Tragezeit!
    Alles Liebe,
    Liolinchen

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  2. Wow toller Bericht schön dass du dich zum wohle deines kleinen und somit auch von euch doch noch für das Tragen entscheiden konntest. Unserer liebt es auch. Kinderwagen nutzen wir nur sehr sporadisch wobei ich sagen muss dass der kleine nun das er nach vorne gerichtet ist und er ordentlich drin sitzen kann auch gerne darin fährt und uns unterwegs jeden Schmetterling mit einem „da“ zeigt 😉 viel Spaß beim weiter tragen 😊

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    • Hallo 🙂 Und vielen Dank für das Lob!

      Ja, letztendlich war es das Beste für uns zu tragen. Wie es danach weiter geht habe ich auch schon überlegt. Irgendwann demnächst kann der Kleine ja laufen, und dann soll er das auch. Ich denke, wir werden uns dann erst einmal einen Buggy kaufen. Allerdings gegen Fahrtrichtung vorerst.Es gibt wohl welche, bei denen man umdrehen kann? Oje, da werde ich mich wohl dann drüber informieren…

      Wie alt ist dein kleiner? Und seit wann fährt er vorwärts?

      Liebe Grüße,

      Mareike

      Gefällt 1 Person

      • Also mein Spatz wir am Montag ein Jahr alt und nach vorne gerichtet fährt er jetzt einen knappen Monat. Wir hatten so einen kombikinderwaagen wo zuerst eine Schale dran war und dann der Sport Aufsatz den man eben nach vorne oder hinter gerichtet einstellen kann. Wenn dein kleiner eh schon bald laufen kann braucht ihr die wende Möglichkeit evtl garnicht unbedingt. Am besten probiert ihr das dann mal in einem Waagen von einer Freundin oder so aus. Mein Kleiner hat allerdings auch immer noch Phasen wo er nicht in den Kinderwagen will, daher mein Tuch ist auch bei jeder Fahrt mit an Board 😉

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